An diesem Freitag, dem 11. September 2026, beginnt bei Sonnenuntergang Rosch Haschana, das jüdische Neujahrsfest. Es dauert bis zum Einbruch der Nacht am Sonntag, dem 13. September, und eröffnet das Jahr 5787 des hebräischen Kalenders.

Es ist eines der wichtigsten Daten des jüdischen Kalenders. Sein hebräischer Name bedeutet wörtlich „Haupt des Jahres“; er steht für eine Zeit des Feierns, aber auch der Besinnung, der persönlichen Bilanz und der Erneuerung.

Was ist Rosch Haschana?

Rosch Haschana wird an den ersten beiden Tagen des hebräischen Monats Tischri gefeiert. Nach jüdischer Überlieferung erinnert es an die Erschaffung der Welt und vor allem des Menschen. Zugleich eröffnet es die Zehn Tage der Umkehr, eine Zeit der Einkehr, die in Jom Kippur, dem Versöhnungstag, gipfelt (mehr dazu: was Rosch Haschana ist und wie es gefeiert wird, bei National Geographic Historia).

In diesen Tagen lädt die Tradition dazu ein, Bilanz über das zu Ende gehende Jahr zu ziehen, eigene Fehler anzuerkennen und Versöhnung zu suchen – mit Gott ebenso wie mit den Menschen, denen man womöglich Unrecht getan hat. Darum ist Rosch Haschana nicht nur der Beginn eines neuen Jahres, sondern auch ein Moment persönlicher und gemeinschaftlicher Erneuerung.

Der Klang des Schofar

Eines der bekanntesten Symbole von Rosch Haschana ist der Schofar, ein traditionelles Instrument, das meist aus einem Widderhorn gefertigt wird. Sein Klang hat eine tiefe religiöse Bedeutung: Er ruft zur Einkehr, zum Erwachen des Gewissens und zur Prüfung des eigenen Handelns auf und begleitet den Beginn des Weges hin zu Jom Kippur.

Mehr als eine musikalische Tradition ist das Blasen des Schofar eine Einladung, innezuhalten, zurückzublicken und zu überlegen, wie man dem neuen Jahr begegnen will.

Ein Schofar aus Widderhorn mit zwei Granatäpfeln, daneben ein grüner Apfel, eine Flasche Wein, ein Kidduschbecher und ein Schälchen Honig
Der Schofar neben Granatapfel und Apfel: Klang und Aromen des jüdischen Neujahrs.

Apfel mit Honig, Granatapfel und Challa: die Aromen des neuen Jahres

Auch kulinarisch ist Rosch Haschana voller Symbole. Am bekanntesten ist der in Honig getauchte Apfel – Ausdruck des Wunsches nach einem süßen Jahr. Der Granatapfel, auf vielen Tischen zu finden, steht für Fülle und gute Wünsche für den neuen Zyklus. Das Museu Etnològic i de Cultures del Món in Barcelona stellt diese und weitere Bräuche des Festes vor, die je nach Herkunft der Gemeinde variieren.

Selbst das Brot ändert seine Form. Die Challa, das geflochtene Schabbatbrot, wird zu Rosch Haschana rund gebacken – als Sinnbild für den Kreislauf des Jahres, der von Neuem beginnt –, und in vielen Familien taucht man sie in Honig statt in Salz.

Runde geflochtene Challa mit Hagelzucker auf einem Silbertablett, daneben eine Honigwabe und weiße Blumen
Zu Rosch Haschana wird die Challa rund gebacken – wie der Kreislauf des Jahres.

Die Familien versammeln sich um den Tisch, teilen diese symbolischen Speisen und wünschen einander ein gutes Jahr. Der traditionelle Gruß lautet Schana Towa (שנה טובה), was sich mit „gutes Jahr“ übersetzen lässt.

Rosch Haschana und die sephardische Tradition

Für sephardische Gemeinden ist Rosch Haschana Teil eines religiösen und kulturellen Erbes, das über Generationen weitergegeben wurde – zuerst auf der Iberischen Halbinsel und nach der Vertreibung von 1492 in den Gemeinden, die die Sepharden rund um das Mittelmeer, in Nordafrika und im Nahen Osten gründeten.

Jede Gemeinde feiert das Fest mit eigenen kulinarischen, sprachlichen und familiären Besonderheiten. Diese Vielfalt ist ein wichtiger Teil des sephardischen Erbes und der mit Spanien verbundenen jüdischen Geschichte.

In Sevilla hat diese Geschichte einen konkreten Schauplatz. Seit der christlichen Eroberung von 1248 und über Generationen besaß das Judenviertel der Stadt – rund um das heutige Barrio de Santa Cruz – seine Synagogen, seine Gassen und seinen eigenen Kalender, und jeden Herbst markierte Rosch Haschana dort den Beginn des Jahres. Von diesen Synagogen, die später zu Kirchen wurden, erzählen wir im Beitrag über die drei Synagogen Sevillas.

Der Beginn der Jamim Noraim

Rosch Haschana eröffnet zudem eine besonders feierliche Zeit des jüdischen Kalenders, die Jamim Noraim, meist mit „Ehrfurchtsvolle Tage“ übersetzt. Sie sind der Einkehr, der Umkehr und der Versöhnung mit den Mitmenschen gewidmet und gipfeln zehn Tage später in Jom Kippur, der als einer der heiligsten Tage des Judentums gilt.

Kurz darauf folgt Sukkot, das Laubhüttenfest, das einen besonders dichten Abschnitt des jüdischen Festkalenders abschließt.

Rosch Haschana im heutigen Spanien

Rosch Haschana ist für die jüdischen Gemeinden Spaniens weiterhin ein lebendiges Fest und über seine religiöse Dimension hinaus ein Anlass, jüdische und sephardische Kultur bekannt zu machen. Das Centro Sefarad-Israel datiert das Fest 2026 auf den 11. bis 13. September und hebt seine Bedeutung als Beginn des Jahres 5787 hervor; auch das Observatorio Español del Racismo y la Xenofobia (OBERAXE) hat über seine Bedeutung informiert.

Die Federación de Comunidades Judías de España hat in den vergangenen Jahren betont, dass diese Zeit des Feierns und der Besinnung auch von Sorge über den zunehmenden Antisemitismus geprägt ist. In ihrer Botschaft zu Rosch Haschana 2025 rief sie dazu auf, Zusammenleben, Respekt und Sicherheit für alle zurückzugewinnen.

Jüdische Geschichte und Traditionen zu kennen heißt nicht nur, in die Vergangenheit zu blicken: Es hilft, die Vielfalt der heutigen Gesellschaft zu verstehen und warum dieses Erbe bewahrt werden sollte. Städte wie Madrid machen ihre jüdische Vergangenheit heute sichtbar, und Sevilla ist in diesem Jahr in das Netzwerk Red de Juderías de España zurückgekehrt.

Rosch Haschana 2026: die wichtigsten Termine

  • Rosch Haschana: vom Sonnenuntergang am Freitag, 11. September, bis zum Einbruch der Nacht am Sonntag, 13. September 2026.
  • Beginnendes hebräisches Jahr: 5787.
  • Jom Kippur: vom Sonnenuntergang am Sonntag, 20. September, bis zum Einbruch der Nacht am Montag, 21. September.
  • Sukkot: Beginn bei Sonnenuntergang am Freitag, 25. September.

Rosch Haschana erinnert daran, dass ein neues Jahr mehr sein kann als ein Datumswechsel im Kalender: eine Gelegenheit, innezuhalten, über das Erlebte nachzudenken, in Ordnung zu bringen, was nötig ist, und der Zukunft mit Hoffnung zu begegnen.

Wenn Sie dem Projekt folgen möchten: Auf dem Instagram-Kanal der Casa Sefardí finden Sie auch unseren Beitrag zu Rosch Haschana: der Schofar, die Süße des Granatapfels und das Schabbatbrot – und die Einladung, all das an einem einzigartigen Ort in Sevilla zu entdecken: in der künftigen Casa Sefardí de Sevilla.

Schana Towa u-Metuka: ein gutes und süßes Jahr!

Quellen