Das Judenviertel · Sevilla

Auch die Steine erinnern sich.

Die jüdische Gegenwart auf der Iberischen Halbinsel reicht zweitausend Jahre zurück. In Sevilla entstand das Viertel als solches erst nach der christlichen Eroberung von 1248, zwischen Santa Cruz und San Bartolomé, und bestand anderthalb Jahrhunderte. Fast nichts davon steht noch — und doch ist das Gedächtnis noch da: unter den Murillo-Gärten, in den Archiven, in der Sprache, die die Vertriebenen mitnahmen. Die Casa Sefardí versammelt es und öffnet es online.

Hier liegt die Vergangenheit nicht hinter Ihnen, sondern unter Ihnen. Diese Seite liest man grabend.

Die Grabung · sechs Schichten

Man beginnt an der Oberfläche.

Schicht I · Oberfläche

Heute

Sevilla hat wieder eine jüdische Gemeinde und eine Synagoge, und seit Januar 2026 gehört die Stadt wieder zum spanischen Netz der Judenviertel, der Red de Juderías. Die Casa Sefardí versammelt dieses Gedächtnis in einem virtuellen Museum, das für jeden und von überall offen ist: sechs Räume, sechs Bögen und die Dokumente, die es belegen.

Schicht II

1492

Das Ausweisungsedikt: drei Monate zur Taufe oder zum Aufbruch. Vom Hafen Sevillas stachen rund fünfzigtausend Juden in See; mit ihnen reiste das Kastilische, das zu Ladino werden sollte.

Schicht III

1391

Erzdiakon Ferrán Martínez predigt so lange gegen die Juden, bis das Pogrom losbricht: ganze Familien sterben, wandern aus oder lassen sich taufen. Das Viertel wird nie wieder dasselbe sein.

Schicht IV

1248

Ferdinand III. erobert Sevilla. Alfons X. teilt die Stadt auf, schenkt der aljama drei Moscheen zum Umbau in Synagogen und schließt sie in die Stadtmauer ein: erst jetzt entsteht das Judenviertel von Santa Cruz und San Bartolomé.

Schicht V

712

Isbilya wechselt den Besitzer. Unter muslimischer Herrschaft lebt die jüdische Gemeinde — „Leute des Buches“ — ihren Glauben gegen Tribut und über die ganze Stadt verstreut: ein eigenes Judenviertel ist für diese Zeit nicht belegt. Jahrhunderte des Nebeneinanders, des Glanzes und der Spannung beginnen.

Grundgestein

2. Jh.

Unter allen Schichten die erste Spur: Jüdische Gegenwart in der Baetica ist seit dem 2. Jahrhundert belegt. Hier endet die Grabung — und hier beginnen die zweitausend Jahre Geschichte auf der Halbinsel, die dieses Museum erzählt.

Was an die Oberfläche steigt

Die verschwundenen Synagogen

Sevilla besitzt keine Synagoge mehr, die sich besichtigen ließe: Die drei der aljama wurden zu Kirchen. In der Sammlung wiederholt der Vielpassbogen die Form eines Hechal — des Schreins, in dem die Tora ruht —, damit zumindest sichtbar bleibt, was verloren ging.

Die Nekropole

Unter den Murillo-Gärten ruht der Friedhof des Viertels, gefunden bei den Bauarbeiten in der Calle Cano y Cueto. Großenteils wurde er nie ausgegraben: Die Gemeinde schläft noch immer unter dem Garten.

Die Archive

Doña Leal, Augenärztin für Juden, Christen und Muslime; Ana Gonçales, Fleischerin mit dem Privileg Königin Isabellas. Ihre Verträge liegen noch in den Archiven — und gehen von dort, Wort für Wort abgeschrieben, in die Sammlung ein.

Die Vermessung

Wo das Viertel stand

Alfons X. schloss die aljama in die Stadtmauer ein und schenkte ihr drei Moscheen zum Umbau in Synagogen: das heutige Santa Cruz und San Bartolomé. Der Friedhof lag vor der Mauer, dort, wo heute die Murillo-Gärten sind — und darüber hinaus: An den Rändern der Gärten der Buhaira wurden jüdische Gräber gefunden. Jene Gassen stehen noch, unter anderen Namen; das Viertel nicht. Es ist ein Viertel, das man mehr lesen als besuchen muss.

Plan des Judenviertels von Sevilla: die ummauerte Anlage, die drei Synagogen der aljama, der jüdische Friedhof außerhalb der Mauer und die dokumentierten Grabfunde.Murillo-GärtenSan BartoloméSanta María la BlancaSanta CruzJüdischer FriedhofUmmauertes JudenviertelSynagogeFriedhof und Grabfunde

Das Projekt, heute

Das Museum

Ein virtuelles Museum, immer offen

Die Casa Sefardí ist vorerst ein Online-Projekt. Sechs Räume durchmessen die jüdische Geschichte der Stadt, von den römischen Ursprüngen bis heute; man betritt sie von überall, zu jeder Stunde und ohne Eintrittskarte.

Die Bestände

Sechs Dokumente, Wort für Wort abgeschrieben

Von jedem Bogen hängt ein historisches Dokument in wörtlicher Abschrift: vom heiligen Isidor bis zur Abschaffung der Inquisition im Jahr 1834.

Vor Ort

Geführte Rundgänge durch das Viertel

Betreten lässt sich das Viertel selbst. Die Führungen zur jüdischen Geschichte durchqueren das Judenviertel ganzjährig mit Altai Turismo.

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